Stimmen für ESC

Energiespar-Contracting (ESC) ist ein erfolgreiches Instrument, um in Gebäuden Energiekosten einzusparen und den Klimaschutz voran zu bringen. Besonders im Bereich öffentlicher Liegenschaften hat sich ESC vielfach bewährt, wie Experten bestätigen.

Lesen Sie mehr über das Einsparpotenzial und die Erfolgsfaktoren von ESC in Kurzinterviews mit

  • Volker Bargfrede, Kaufmännischer Geschäftsführer des Brandenburgischen Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen (BLB)     und
  • Klaus Kist, Projektleiter a.D. der Energieleitstelle der Umweltverwaltung des Berliner Senats.

Volker Bargfrede

Volker Bargfrede, Kaufmännischer Geschäftsführer des Brandenburgischen Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen (BLB) , Foto © Gnaudschun

Was waren die Gründe dafür, sich bei der Modernisierung der Polizeiliegenschaft Potsdam-Eiche für Energiespar-Contracting (ESC) zu entscheiden?

Die Brandenburger Polizei wird am Standort Potsdam-Eiche ihren Energieverbrauch mit einer neuen hocheffizienten Gebäudetechnik erheblich senken können. Damit spart die Polizei Strom- und Wärmekosten und leistet gemeinsam mit dem BLB  – dem Eigentümer und Vermieter der Liegenschaft – einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der landeseigenen Energieziele.

Möglich wird dies durch einen Energiespar-Garantievertrag, den der BLB mit der EnBW Sales & Solutions geschlossen hat. Darin garantiert die EnBW eine Energieeinsparung durch neue Technologien von rund 1,25 Gigawattstunden (GWh) jährlich. Das entspricht in etwa dem Stromverbrauch von 360 Vier-Personen-Haushalten. Damit werden auch 45 Prozent weniger Kohlendioxidemissionen pro Jahr verursacht, also rund 1.000 Tonnen weniger. Die Besonderheit: Zwischen BLB und EnBW wurde ein sogenanntes Grünes Energiespar-Contracting vereinbart. Dies ist insofern besonders innovativ, da hier erstmals eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung Bestandteil des Contracting ist.

Der Vorteil von solchen Contracting-Modellen ist, dass eine Win-win Lösung  zum Tragen kommt und eine hohe Motivationsbereitschaft bei den Beteiligten herrscht. Das ist auch beim Projekt in Golm der Fall.

Alle Maßnahmen sind inzwischen fertig umgesetzt. Welches sind die wichtigsten Erfahrungen oder Erfolge, die sie aus dem Projekt mitnehmen oder weitergeben können?

Ein Blockheizkraftwerk wurde zur gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme eingebaut, eine zentrale Gebäudeleittechnik installiert, das Kesselhaus optimiert, Hocheffizienzpumpen eingesetzt und teilweise auch Geschossdecken gedämmt. Um die besonderen Anforderungen des Grünen Energiespar-Contracting zu erfüllen, wurde eine Photovoltaikanlage zur Produktion von Strom für den Eigenverbrauch auf der Liegenschaft errichtet.

Ein großer Erfolg ist, dass die Liegenschaft 58 Prozent weniger Strom aus dem Netz bezieht. Über den energetischen und finanziellen Nutzen hinaus haben wir durch den Einbezug unserer technischen Mitarbeiter auch einen Lernerfolg erzielen können.

Wie wichtig war der Einsatz eines Projektsteuerers für den Erfolg des ESC-Projekts?

Der Einsatz der Berliner Energieagentur als Projektsteuerer war auf jeder Stufe der Umsetzung – von der Konzeption bis zur Realisierung – sehr wichtig und hilfreich. Auch beim Monitoring und der Erfolgskontrolle können wir uns auf die Expertise der BEA, die mit dem Markt und den Möglichkeiten bestens vertraut ist, verlassen.

Klaus Kist

Klaus Kist (Quelle: BEA)Klaus Kist, Projektleiter a.D. der Energieleitstelle der Umweltverwaltung des Berliner Senats, Foto © Berliner Energieagentur

Klaus Kist ist 1990 als Projektleiter für Energiemanagement in die 1989 gegründete Energieleitstelle des Berliner Senats eingetreten. Deren Aufgabe war es, nach der Wiedervereinigung neue Akzente in der Berliner Energie- und Klimaschutzpolitik zu setzen. So ist das Berliner Energiespargesetz bereits Ende 1990 in Kraft getreten sowie Ende 1994 das Berliner Energiekonzept beschlossen worden. Dieses hat zum Ziel, die CO2-Emissionen Berlins um 25 % bis 2010 gegenüber 1990 zu senken, wobei die öffentlichen Einrichtungen Vorbildfunktionen zu übernehmen haben. Dies war auch die Geburtsstunde des Contracting-Projektes „Energiesparpartnerschaft Berlin“, das zu den wichtigsten Aufgaben von Klaus Kist zählte.

Die Berliner Energiesparpartnerschaften sind eines der erfolgreichsten Beispiele für Energieeinspar-Contracting (ESC). Sie waren von Anfang an auf Seiten der Berliner Senatsverwaltung involviert. Im Rückblick: Was waren die entscheidenden Erfolgsfaktoren?

Wesentliche Voraussetzung,  dass ein derartiges Projekt gelingen kann, ist die politische Zustimmung. Diese war in Berlin gegeben mit dem Beschluss des Berliner Senats sowie des Hauptausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses. Zusätzlich müssen aber auch die zuständigen verwaltungsinternen Beschäftigten dazu bereit sein bzw. davon überzeugt werden, ein solches Projekt mitzutragen. Schließlich bedarf es auch einer guten Kenntnis über den eigenen Anlagenbestands, die Nutzungsgewohnheiten.

Die Entscheidung, ESC für die Modernisierung des Gebäudebestands zu nutzen, fällt öffentlichen Verwaltungen zuweilen schwer. Wenn Sie von Kollegen aus anderen Städten gefragt werden: Wie lautet Ihre Empfehlung zum Thema Energieeinspar-Contracting?

ESC ist ein interessantes, variables, alternatives Finanzierungs- und Effizienzwerkzeug. Damit lassen sich zeitnah energie- und klimaschutzpolitische Ziele erreichen. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn nur knappe oder keine Haushaltsmittel und wenig oder kein Personal zur Verfügung stehen.

Es gibt zwischenzeitlich viele Erfahrungen und viele Hilfsmittel, wie ein derartiges Projekt, dass in seinem Leistungsumfang sehr anspruchsvoll und sehr komplex sein kann, auf den Weg zu bringen ist. Man sollte mutig sein und es an Engagement nicht fehlen lassen, dann werden sich bald Erfolge zeigen. Viele Beispiele belegen dies.

In vielen ESC-Projekten gibt es einen Projektsteuerer, der den Auftraggeber bei der Vorbereitung und Durchführung des Projekts unterstützt. Wie wichtig ist eine solche externe Projektsteuerung?

Eine gute Projektvorbereitung ist schon die halbe Miete. Einschlägig erfahrene Projektsteuerer in den zum Teil komplexen Prozess einzubinden, wird sich im Einzelfall auszahlen. Erfahrene Projektsteuerer wissen um die Fallstricke, die mit komplexen Projekten verbunden sein können, bringen Lösungsvorschläge ein, verhandeln konsequent und zielorientiert und führen letztendlich den gesamten Prozess, soweit es in ihrer Macht steht, zeitnah zum erfolgreichen Abschluss.

Bei der „Energiesparpartnerschaft Berlin“ handelt es sich um ein Energiespar-Contracting (ESC)-Modell, bei dem öffentliche Hand oder private Unternehmen und ein Energiedienstleister eine Partnerschaft eingehen mit dem Ziel, Energie einzusparen und Energiekosten sowie CO2-Emissionen zu reduzieren. Der Energiedienstleister führt im eigenen wirtschaftlichen Risiko als Contractor alle notwendigen Investitionen durch und gibt eine Einspargarantie ab. Die eingesparten Kosten teilen sich beide Partner.

Das Land Berlin setzt gemeinsam mit der Berliner Energieagentur als Projektmanager das Modell der Energiesparpartnerschaft seit 1996 erfolgreich um. In über 500 Liegenschaften mit mehr als 1300 öffentlichen Gebäuden werden auf diese Weise Energiesparpotenziale ausgeschöpft. Die durchschnittliche Garantieeinsparung beträgt 26 Prozent, das ergibt zusammen knapp 12 Millionen Euro Einsparungen jährlich in allen Liegenschaften.

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